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"Ich bin halt T": Der Möchtegern-T-Test

T 10%, F 90%. Jede deiner Antworten kippt zur F-Seite. Bei der Trennungsgeschichte einer Freundin schnürt es dir nach drei Sekunden selbst die Kehle zu. Den Zahlenfehler im Bericht des Kollegen korrigierst du wortlos. Läuft die Stimmung im Gruppenchat gut, schluckst du deinen Widerspruch. Auch von Menschen, die nicht zu dir passen, kommst du nicht los. Nach dem Film bleibst du sitzen, bis der Saal leer ist. Nach einem peinlichen Fehler spielen die Gesichter noch mindestens drei Tage weiter. Genau deshalb erzählen dir Leute ihre schweren Sachen zuerst. Nur du selbst wusstest das nicht. Du hast dich T genannt, weil du schnell zu einem Schluss kommst. Schnell entscheiden und emotional unbewegt sein sind aber zwei Paar Schuhe. Das ist keine Blamage, sondern eine Bestätigung. Diese emotionale Auflösung hat nicht jeder. Die Show darfst du jetzt beenden.
Eine Sekunde ins Gesicht schauen reicht, und du weißt, wie der Tag lief. Wenn es deinem Gegenüber schlecht geht, setzt du dich hin, bevor du an Lösungen denkst. Und sagst dabei, dass du als T halt nicht gut trösten kannst. Die Person fühlt sich längst getröstet, nur du kriegst es nicht mit. Das Problem ist, dass du Enttäuschung erstmal runterschluckst. Irgendwann kommt dann alles auf einmal raus. Sag die Dinge einfach, wenn sie passieren. Für dich lohnt sich das doppelt.
Wenn im Meeting jemand dichtmacht, merkst du es vor allen anderen. Einen Blick, über den alle hinweggegangen sind, trägst nur du weiter mit dir herum. Wegen diesem Radar läuft das Team leise weiter. Auf keinem Leistungsbogen steht das drin. Du reparierst still die Fehler von anderen und bleibst mit deiner eigenen Arbeit liegen. An solchen Tagen darf ruhig die Frage kommen, wessen Aufgabe das eigentlich war. Für dich ist das der schwerste Satz überhaupt. Wenn du ihn sagst, passiert genau nichts Schlimmes.
Deine eigenen Sachen liegen drei Wochen im Warenkorb. Bei einem Geburtstag ist das Budget plötzlich weg. Geschenke und gemeinsame Rechnungen gehen jeden Monat raus. Dazu die Kategorie "Ich hab das gesehen und an dich gedacht". Wenn jemand fragt, ob es dir leidtut, tut es dir wirklich nicht leid. Ändern musst du daran nichts. Setz einfach ein festes Monatsbudget für Menschen an. Deine 10% T springen nur an, wenn diese Grenze festgelegt wird. Solange die Grenze hält, ist das keine Verschwendung, sondern Investition.
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